Aktualisiert am 01.05.2010
Bonifatius
Der Missionar erlitt vor 1250 Jahren in Friesland den Märtyrertod
Vom 19. Januar 2002
Geheimnisvoll und interessant ist es, in die mittelalterliche Geschichte des Nordseeküstengebietes hineinzuleuchten und mitzuerleben, wie sich den Menschen nach der vorgeschichtlichen Zeit, der Epoche der schriftlosen Kulturen, ein völlig neues Weltbild auftut. Herausragendes Ereignis ist dabei zweifelsohne die Christianisierung der Bevölkerung, die von mutigen Missionaren getragen wird. Einer dieser Missionare, Winfried Bonifatius, erlitt im Juni 754 im friesischen Dokkum den Märtyrertod. Ein Ereignis, das 1250 Jahre zurückliegt und 2004 von den römisch-katholischen Christen in zahlreichen Veranstaltungen gewürdigt wird.
Credition im Südwesten Englands, ist der Geburtsort Winfrieds, dort erblickt er um 672/673 das Licht der Welt. Wandermissionare besuchen von Zeit zu Zeit diesen Landstrich, der wie die übrigen germanischen Teile der Insel seit der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts als christianisiert gilt. Als Winfried etwa sieben Jahre alt ist, übernehmen Mönche in Exeter seine Erziehung. Später tritt er in das Kloster Nursling ein. Mit 30 Jahren empfängt er die Priesterweihe und lehrt fortan in der Klosterschule. Winfried steht bereits im fünften Lebensjahrzehnt, als er mit seiner eigentlichen Lebensaufgabe beginnt, der Mission auf dem europäischen Festland. Im Jahre 716 landet er in Dorestad, der friesischen Handelsmetropole am Niederrhein. Seine erste Missionsreise verläuft jedoch unglücklich, denn der Friesenkönig Radbod erobert gerade diesen Landstrich von den Franken zurück, so dass das Heidentum erneut die Oberhand gewinnt. Winfried kehrt also wieder zurück und übernimmt die Leitung des Klosters Nursling.
Im Sommer 718 begibt er sich auf den weiten Weg nach Rom, wo Papst Gregor ihn am 15. Mai 719 mit der Mission in Hessen, Thüringen und Friesland beauftragt. Winfrieds erstes Ziel ist Thüringen, in dem es bis dahin nur wenige Spuren des Christentums gibt. Noch im gleichen Jahre zieht er weiter nach Hessen. Als Radbod stirbt – ebenfalls 719 – reist Winfried sogleich nach Utrecht und nimmt die Mission im Nordseeküstengebiet wieder auf. Ab 721 wendet sich Winfried den Hessen und Thüringern zu. Seine Arbeit trägt bald reiche Früchte, denn viele tausend Menschen lassen sich taufen. Papst Gregor II. weiht ihn am 30. November 722 zum Bischof, Winfried führt fortan den Namen Bonifatius. Im Frühjahr des nächsten Jahres kehrt er nach Hessen zurück, um unter dem Schutz der Franken die Mission fortzusetzen.
Zwei Ereignisse prägen des Andenken an Bonifatius in besonderer Weise: Das Fällen der sog. Donareiche im hessischen Geismar und sein Märtyrertod im friesischen Dokkum. 723 hält Bonifatius sich in Geismar auf. Um die Bedeutungslosigkeit der heidnischen Götter zu demonstrieren, fällt er kurzerhand einen kultisch verehrten Baum und beginnt den Bau einer christlichen Kirche. Als die Donareiche zu Boden stürzt und keiner der vielen Heidengötter eingreift, treten die überraschten Hessen in großer Zahl zum Christentum über. Im Jahre 725 begibt sich Bonifatius wieder nach Thüringen, um dort sein Missionswerk fortzusetzen. 732 ernennt der Papst ihn zum Erzbischof von Mainz und verleiht ihm wenige Jahre später die Würde eines päpstlichen Legaten. Damit gilt Bonifatius als Stellvertreter des Papstes in den von ihm betreuten Gebieten. Er erneuert das Kirchenwesen in Bayern, Hessen und Thüringen, ja praktisch im ganzen Frankenreich. Sein erzbischöfliches Domizil ist zwar Mainz, doch immer wieder sucht er das Kloster Fulda auf, das ihm sehr am Herzen liegt.
753 – schon im Greisenalter – entschließt sich Bonifatius, noch einmal nach Friesland zu reisen und dort die Mission wieder aufzunehmen. In Utrecht, dem Mittelpunkt des Kirchenlebens im westlichen Friesland, verbringt er den Winter. Im kommenden Frühjahr reist er wieder durch die Lande, um den Menschen an der Nordseeküste das Christentum nahe zu bringen. Bei Dokkum in der Nähe des heutigen westfriesischen Zentrums Leeuwarden schlägt er mit seinen Begleitern ein Lager auf und tauft am Pfingstsonnabend eine große Menschenmenge. Am folgenden Mittwoch, dem 5. Juni 754, sollen die neuen Christen die Firmung empfangen. Am frühen Morgen dieses Tages greift aber eine bewaffnete Schar Heiden das Lager an und tötet Bonifatius mit allen Gefährten.
Schnell ist die Nachricht des Apostels der Deutschen durch das ganze Land verbreitet. Wenige Tage später schon bricht ein fränkisches Heer nach Friesland auf, um den Leichnam von Bonifatius sowie seine wertvollen Handschriften zu bergen. Am 4. Juli 754 erreicht der Leichenzug Mainz. Wenige Tage später ist man in Fulda, wo die sterblichen Überreste des Missionars beigesetzt werden.
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Stephan Janßen
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