Völklörigheid ok in dat Harlinger Snackerplatt
Van Helmut Hinrichs, Wittmund
Aus dem Archiv von Wilfried Janßen
De oostfreeske Landkreis Wittmund un ok de Snippels, de man dorvan so wegsneden hett, stellt sük as „Snackerland“ dor. „Snackerland“ besteiht nu aber nicht blot ut de Landkreis Wittmund mit Spiekeroog un Langeoog, ok Jeverland, dat Wangerland mit de Insel Wangerooge, de Friesische Wehde üm Varel, Butjadingen un dat Ammerland hört nettsogood dorto.
To ‘t „Proterland“ reken wi körtweg all oostfreeske Kuntrein westlik van de Landkreis Wittmund. De Insels Baltrum, Nördernee, Juist un Börkum nich to vergeten.
Dat Harlingerland is en Landstreek an de Noordseeküst mit de Insels Spiekeroog un Langeoog un wurd vandaag in d’ Volksmund mit de Landkreis Wittmund glieksett, historisk genau nahmen is dat blot de Gegend üm Esens, Steesdörp un Wittmund.
All Lü in de Landkreis Wittmund snackt, man mit verscheden Spraakgebruuk un Spraakklang: in dat Oll Amt Esens mit de fröhere Herrlichkeit Steesdörp un de Vogtei Holtriem, in dat Oll Amt Wittmund – beid Amten bild dat egentlike Harlingerland – sodenn in dat Oll Amt Freebörg, dat fröher maal to Östringen hört hett un in de Herrlichkeit Gödens. Leerhaf weer ursprünglik ok keen Lidd van ’t Harlingerland, hör to Östringen, later to Freebörg un eerst siet 1817 to dat Oll Amt Wittmund. Dat Sülvige gellt ok för dat Karkspill Aardörp, dat to dat Amt Auerk hörde un ok eerst 1817 to dat Oll Amt Wittmund keem. Dor is woll van Harlinger Platt de Reed, man en eenheitlik Harlinger Platt gifft dat nu maal nich.
Hier enige Bispillen van besünner Utdrücken, de in bestimmte Regionen van ’t Harlingerland in de Mund nahmen wurd.
1. In Esens gifft ünner annern en Rieg Wör ut jiddische Redensaarten van ehemalige Esenser Jöden. Se sünd bit vandaag noch up Platt lebendig. Achilen = eten; Ponum = Gesicht; schassin = drinken, supen; en schassin in en Schassibeis (Weertskupp); Seegers = en Jung, de weet, wat he will; reunen = mit lang Hals na wat kieken; marod = krank; Wichter statt Deerns; Sweep för Pietsk; Fless = Buddel, Kröger för Weertsmann.
2. Üm Wittmund: Deern statt Wicht; schitterg statt fuul; hüm statt hum, Buddel statt Fless; fell statt gau, fleuten statt fleiten; Gegend statt Kuntrei, Zäg statt Zeeg.
3. Üm Holtriem - Westerholt - Blomberg /Neuschoo: Helmer = Weg in ’t Moor; mien Volk = mien Familie; Feberwoor statt Februor; Heu utspraken as Höi; Keu as Köi; Freud as Fröid , wieder up Nörden to Hei, Foon = en unördentlik Wicht.
4. Üm Freebörg/Reepsholt un Etzel: hüt = vandaag; ik hebb em sehn, em = hüm, eer = hör. Lang a in slaten Sülv as o spraken bi Vader as Voder, Fraag as Froog un so wieder.
Wat Plattsnackers un Plattproters in Oost-freesland verbind, is de grode gemeensame Fundus an Woordstrukturen, de wi bi de Dörsicht van uns oostfreeske Woordenbök vörfind. Disse Fundus is dat Hart van uns Oostfreeske Platt. Dorbi sünd de regionale Besünnerheiden un Klangfarben dat Peper un Solt in de Völklörigheid van uns Moderspraak.
Nu de Verschedenheiden tüsken Snackers un Proters:
1. Bi de Pluralförms, wenn de Snackers de Plural bild dör Ümlauten van de Stammvokal mit en tosätzlik Längen: ünner annern de Book – de Bök (statt Boken), de Foot – de Föt (statt Foten), de Goos – de Gös, dat Huus – de Hüs (statt Husen), de Muus – de Müs (statt Musen. Ok ahn Längen bi de Ümlaut in de Plural ünner annern bi: de Bank – de Bänk (statt Banken), de Bunk – de Bünk usw. (statt de Bunken) un noch mehr.
2. Dat seggt de Snackers anners: deVörsülven: af statt of (afbreken), üm statt um (ümfalln), ünner statt unner (ünnerholln), över statt over (överspringen), hüm statt hum, Oord statt Aard, wu statt wo, Goorn statt Gaarn, verkloren statt verklaren, bringen statt brengen, Stä statt Stee, läsen statt lesen, Johr statt Jahr, verbaden statt verboden.
3. De Konjugation van de Hilfsverben bi de Snackers in verscheden Tiedförmen (Präsens, Imperfekt, Perfekt, Plusquamperfekt).
3.1. „sein“: Ik sün statt ik bün. Ik sün, du büst, he/se is, wi/ji/se sünd. Ik weer, nich ik was, du weerst, he/se weer, wi/ji/se weern. Ik hebb in Huus west, ok woll ik sün in Huus west. Ik sün lopen, ik sün flagen („Bewegungsverben“). Ik harr west.
3.2 „haben“: Ik hebb statt ik hev, du hest, he/se hett, wi/ji/se hebbt. Ik harr, du harrst, he/se harr, wi/ji/se harrn. Ik hebb hatt. Ik harr hatt.
3.3. „müssen“: Ik moot, du musst, he/se moot, w/ji/se moot. Ik muss, du musst, he/se muss, wi/ji/se mussen. Ik hebb musst . Ik harr musst.
Noch en Besünnerheit dör dat Verb höven, wat sovöl bedütt as hd. brauchen, müssen, nötig haben. Dat wurd bruukt bi Fraag un „Verneinung“: ik höv nich = ok ik muss nich, hövst du?
3.4. „sollen“: Ik schall, du schast, he/se schall, wi/ji/se schölt (auch wohl sall, sölt). Ik schull, du schust, he/se schull, wi/ji/se schulln auch wohl sull). Ik hebb schullt. Ik harr schullt.
3.5. „dürfen“: Bi de Proters: düren, dürst, drüss, dröven, bi de Snackers (Harlingerland): dröben. Ik dröff, du dröffst, he/se dröfft, wi/ji/se dröfft. Ik drüff, du drüffst, he/se drüff, wi/ji/se drüffen. Ik hebb drüfft. Ik harr drüfft.
3.6. „können“: Ik kann, du kannst, he/se kann, wi/ji/se könt. Ik kunn, du kunnst, he/se kunn, wi/ji/se kunnen. Ik hebb kunnt. Ik harr kunnt.
3.7. „wollen“: Ik will, du wullt, he/se will, wi/ji/se willt. Ik wull, du wullst, he/se wull, wi/ji/se wulln. Ik hebb wullt. Ik harr wullt.
3.8. „mögen“: Ik magg, du maggst, he/se magg, wi/ji/se mögt. Ik mugg, du muggst, he/se mugg, wi/ji/se muggen . Ik hebb muggt. Ik harr muggt.
Nu noch en wat heikeln Fraag. Wat hebbt de Lü in de Steder mit hör Platt maakt? Ik dröff woll seggen, nich blot in Wittmund of Esens, ok sogor in Jever, Nörden, Auerk, Emden, Leer, Weener un noch annerswoor.
Wat is dor passeert? Dat Stadtjer Platt klingt nüchtern nivelleert. Man hett sük ’t Hoogdütsk anpasst. Dor fehlt de Warmt. En Assimilation, en Anglieken an hoogddütsk Utdrücken un nu noch dorto an unnödige Anglizismen! Man nimmt dat hoogdütske Woord un versöcht, dat to verplattdütsken. Un wat kummt d’r bi rut? Gegend statt Kuntrei of Gewest, gemein statt gemeen, Geduld statt Gedür, quälen statt targen, Verstand statt Künn, Farv statt Klör, Nebel statt Daak, Freud statt Bliedskupp, Auktionator statt Utmiener, Verwandtschaft statt Verwandtskupp, Hapnung statt Hapen, Upregung statt Upregen, Bewachung un noch mehr Sustantive mit de Endung -ung. Disse Bispilln mögt genoog weden.
Wor liggt de Ursaak? Wiel dat Hoogdütsk höger in’t Tall is? Man grenzt sük geern af tegen dat brede un groff klingender Platt van de Landlü. Dat is bequem, wenn man af un to in’t Hoog verfallt. Dorbi is de Woordriekdoom mehr un mehr verloren gahn. Wat schaa!
Wat könt wi doon? Sülvenraadsel up Platt ünner dat Motto: Driest noch wat tolehrn, ok in uns Moderspraak. Woordlehrspillen helpt, neje Wör to winnen. De Wettstried üm mien leevste plattdütsk Woord hett mennigeen up mehr Utdrücken upmarksam maakt. Dor kann uns noch mehr infalln.
Mien Ünnersöken kunn nich utföhrelk weden. Man ik hebb versöcht, de Saak dör Bi-spilln to verkloren. Snackers un Proters hebbt en starken gemeensamen Fundus. En moot de anner achten. Nüms kann un dröfft seggen, dat sien Platt dat best un richtigste is. Laat uns tosamenstahn un mit all uns Kraft dorför sörgen, dat uns Moderspraak Bestand hollt.
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Stephan Janßen
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