
Autor: Wilfried Janßen
Asel, Einheitsgemeinde Wittmund, Landkreis Wittmund
1. Lage und Siedlungsform
Asel liegt in geschlossener Ortslage ca. zwei Kilometer östlich der Stadt
Wittmund. Die Gemarkung verteilt sich auf vier hügelartige Geestvorsprünge in
einer Entfernung von 1,5 bis 2 km unterhalb des südwestlich gelegenen
Geestrandes, die räumlich durch tiefer liegende ebene Marschenflächen und
teilweise verlandete Wasserläufe voneinander getrennt sind. Im Norden der
größten dieser Geesterhebungen, die sich mit etwa einem Kilometer Länge von
Süden nach Norden erstreckt, liegt das Haufendorf Asel. Es bestehen innerhalb
der Gemarkung erhebliche Höhenunterschiede, die von 0,3 m über NN bis etwa 6 m
über NN im Bereich der Kirche liegen. Die Geestinseln liegen in einer
Marschlandschaft mit Niedermoor im Untergrund, die am Geestrand im Westen
beginnt und sich etwa bis zu einem halben Kilometer nördlich des Dorfes
hinzieht. Das Niedermoor ist mit einer Schlickschicht überlagert, die dünn am
Geestrand beginnt und nach Norden immer mächtiger wird. Auch das Gebiet zwischen
Asel und dem Dykschloot in Richtung Jever, der sogenannten Sietwendung, ist mit
einem Darguntergrund versehen. Der Geestrücken, auf dem das Dorf liegt, besteht
aus Lehmkies oder Ursand, der durch Plaggendüngung mit einer etwa einem halben
Meter starken Ackerkrume überzogen ist.
2. Vor- und Frühgeschichte, Bodendenkmäler
1980 wurde nördlich der B 210 ein Bronzebeil gefunden, das nach Meinung des
Finders durch die Plaggendüngung dorthin gelangt sein könnte. Im Mittelalter
soll Asel Standort für zwei Burgen gewesen sein, möglicherweise handelt es sich
dabei um die späteren adeligen Güter Klinge und Horum. Diese beiden Plätze
werden aber mitunter auch als frühere Klostervorwerke bezeichnet. Aselerwarf
wurde als möglicher frühmittelalterlicher Ausgangspunkt der Besiedlung von Asel
archäologisch bislang noch nicht näher untersucht.
3. Ortsname
Asel wird urkundlich zum ersten Mal im Jahre 1150 als Asla in einer Liste der
Schenkungen an das Kloster Fulda erwähnt. 1343 heißt der Ort „Asle“. Weitere
Schreibweisen sind „Asele“ und 1384 „Aszle“. 1497/1498 wird der Ort zum ersten
Mal als „Asel“ bezeichnet. Mit der Erklärung des Ortsnamens hat man sich immer
sehr schwer getan. Eine volkstümliche Erklärung setzt den Namen aus „Aqua“ und „sel“,
also Salz und Wasser zusammen. Nahe liegender ist die Erklärung als
„Götterhain“, gebildet aus „as“ oder „os“ für „Gottheit, Gott“ und „Loh“ für
„Gehölz“.
4. Geschichtlicher Überblick
a. Entwicklung der Gemeinde bis zur Weimarer Republik
Die Gründung Asels dürfte auf das frühe Hochmittelalter zurückgehen. Der
Ortsteil Klinge wird bereits 1124 erwähnt und die Kirche aus dem zweiten Viertel
des 13. Jahrhunderts dürfte einen Vorgängerbau gehabt haben. Einhergehend mit
dem Baubeginn der Kirche dürfte es eine Ortsverlegung gegeben haben, denn 1684
überliefert Balthasar Arend, dass das Dorf von „Basel“ oder „Asler Warf“ auf den
höher gelegenen Geestrücken umgezogen sei. Die schweren Sturmfluten des 14.
Jahrhunderts ließen die Harlebucht entstehen und Asel wurde vorübergehend zu
einer Insel in dieser Bucht. Es kam zur Anlegung des Aseler Runddeichs, dessen
Teilstücke noch heute im Gelände zu sehen sind. Dieser Runddeich ist fast
identisch mit den späteren Gemeindegrenzen.
Die Aseler Kirche soll im Mittelalter auch als Festung gedient haben. Außerdem
sollen in dem Dorf zwei Brüder der Familie Kankena, der Häuptlinge von Wittmund,
auf zwei Burgen gewohnt haben. Der Keller des ehemals adeligen Gutes Klinge
deutet auf eine Wasserburg hin, Dohusen kommt als zweite Burg in Betracht. Hier
soll die Folkersburg gestanden haben, die in der Werdumer Chronik genannt wird.
1710 wehrten sich die Aseler, als die Jeverländer den alten Seedeich, die
Sietwendung, durchstachen, um ihr Wasser in die Gegend um Asel und Eggelingen
abfließen zu lassen. Als die Aseler versuchten, die Abdämmung wieder zu
errichten, wurden sie von jeverschen Soldaten vertrieben. Georg Albrecht, Fürst
von Ostfriesland, setzte daraufhin 70 Soldaten unter dem Schutz von zwei Kanonen
in Marsch, und die Ostfriesen konnten die Abdämmung wieder errichten.
Vor dem 14. Jahrhundert gehörte Asel zum Asterga mit dem Hauptort Jever. Die
Vogtei Asel mit Funnix, Berdum und Eggelingen gehörte 1572 zum Wittmunder Amt.
1652 war der Wittmunder Burggraf zugleich auch Vogt in Asel.
Während der holländisch-französischen Besatzungszeit von 1806 bis 1813 wurde die
Mairie Asel dem Arrondissement Jever und dem Kanton Wittmund zugeordnet. Später
gehörte Asel zur Vogtei Wittmund.
1824 war Asel in zwei Bauernschaften eingeteilt, zum einen in die Bauernschaft
Asel mit Asel, Klinge, Nortis, Horst und Dohusen, zum anderen in die
Bauernschaft Hornum mit Hohehörn, Hornum, Barg und Schluis.
1874 wurde in Asel ein Standesamt eingerichtet, welches bis Dezember 1963
Bestand hatte. Als es im Jahre 1885 zur Gründung des Landkreises Wittmund kam,
gehörte auch die Gemeinde Asel zum neuen Gebilde, das sich aus den Ämtern Esens,
Wittmund, Friedeburg und der Stadt Esens zusammensetzt.
Zwischen 1881 und 1889 kam es zu einer größeren Zahl von Auswanderungen aus Asel
in die USA. Innerhalb dieses Zeitraums verließen sieben junge Männer,
Dienstknechte und ein Bäckergeselle, das Dorf bei Wittmund.
In Asel wurde Ende 1918 ein Soldaten-, Bürger- und Bauernrat gebildet, der sich
erfolgreich für die Verteilung von Lebensmitteln einsetzte, bis er von einer
demokratisch gewählten Gemeindevertretung abgelöst wurde. Um das Vieh auf den
Weiden zu schützen, wurde eine Dorfwache aufgestellt. Eine ins Leben gerufene
Bürgerwehr hatte eine Stärke von 22 Mann.
b. Veränderungen in der NS-Zeit
„Asel liegt im Propagandaschatten“, heißt es in der Schulchronik. Der seit 1924
amtierende Bürgermeister blieb bis 1945 im Amt, galt aber auch danach als
politisch unbelastet. Zwischen 1933 und 1941 fanden drei Zwangsversteigerungen
in Asel statt. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Zwangsarbeiter – Franzosen,
Polen und russische Frauen – auf verschiedenen Bauernhöfen eingesetzt.
Ende 1944 wurde ein Volontär aus Asel wegen antinationalsozialistischer
Äußerungen für zwei Monate ohne Gerichtsverfahren bei der Gestapo in
Wilhelmshaven inhaftiert. Während des Krieges wurden Evakuierte aus
Wilhelmshaven im Ort untergebracht. Geringe Kriegsschäden entstanden durch
„Bomben-Notabwürfe“. Der Hof Hohehörn wurde allerdings in erheblichem Maße
beschädigt, Personenschäden waren nicht zu beklagen. Der Zweite Weltkrieg
forderte hohe Opfer, 30 Gefallene und Vermisste waren zu beklagen.
c. Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden deutsche Soldaten der sog.
Hollandarmee auch in Asel in einem offenen Kriegsgefangenenlager untergebracht.
Bald darauf strömten Flüchtlinge und Vertriebene nach Asel. 1946 betrug ihr
Anteil an der Bevölkerung 30,7%. 1950 waren es sogar 32,6. Das ist für
ostfriesische Verhältnisse relativ viel und lässt sich möglicherweise dadurch
erklären, dass die fruchtbaren Marschenländereien Arbeitplätze boten.
1957 sind unter den damals 389 Einwohnern 72 Flüchtlinge und Vertriebene. Es
wurden vier Behelfsheime sowie ein Vier-Familien-Haus gebaut und Nissenhütten
aufgestellt. 1972 schloss sich Asel im Vorgriff auf die Gemeindegebietsreform
freiwillig mit Eggelingen und der Stadt Wittmund zur Einheitsgemeinde Wittmund
zusammen. Der Gemeinderat wurde aufgelöst, stattdessen gibt es nun einen
Ortsvorsteher, der als Ehrenbeamter der Stadt Wittmund kleine
Verwaltungsaufgaben wahrnimmt.
Im Westen und in der Dorfmitte entstanden zwei Neubaugebiete mit rund 40
Bauplätzen, und auch die Lückenbebauung wird intensiv genutzt. Durch die seit
1990 geplante und von 1994 bis 2003 abgeschlossene Dorferneuerung hat das Dorf
an Attraktivität gewonnen.
d. Gemarkungsgröße, Bevölkerungsentwicklung
Die Gemarkung Asel hat eine Größe von 736 ha. Die Bevölkerung hat sich bis zum
Beginn des Zweiten Weltkriegs eher rückläufig entwickelt und erst wirklich stark
zugenommen, seitdem Asel Teil der Stadt Wittmund ist und neue Wohngebiete
ausgewiesen wurden.
Die Bevölkerungsentwicklung:
| Jahr | Einwohner | Jahr | Einwohner |
| 1811 | 308 | 1939 | 297 |
| 1824 | 333 | 1946 | 452 |
| 1848 | 356 | 1950 | 469 |
| 1859 | 356 | 1956 | 373 |
| 1880 | 329 | 1964 | 385 |
| 1897 | 319 | 1969 | 337 |
| 1905 | 331 | 1982 | 411 |
| 1925 | 305 | 1991 | 401 |
| 1933 | 301 | 2005 | 525 |
5. Nebenorte, Kolonien, Wohnplätze
Aselerwarf liegt ca. 1 km südlich des Dorfes am Rand der niedrig liegenden
Geestinsel und etwa 1,1 m über NN. Der Ursprung der Warf, auf der das Dorf Asel
zunächst gelegen haben soll, bevor es etwa im Frühhochmittelalter auf den höher
gelegenen Geestrand zog, ist noch nicht erforscht. Nach der Überlieferung habe
sich hier auch ein frühmittelalterlicher friesischer Gerichtsplatz befunden. Der
Ort wurde auch „Basel“ genannt, wie Balthasar Arend 1684 berichtete.
Barg liegt etwa ein Kilometer östlich von Asel in der Kleimarsch auf etwa 1 m
über NN. Der Ort ist 1823 erstmals in einer Statistik verzeichnet. Der Name
bedeutet „Berg“ und deutet auf die etwas erhöhte Lage des Hofes hin. 1823 lebten
hier neun Personen.
Dohusen liegt etwa zwei Kilometer südwestlich von Asel an der alten Stadtgrenze
zu Wittmund auf einer linsenförmigen Geestdurchragung in der Marsch, deren
südwestlicher Teil als Gaste gedient hat. Der Ort wird 1565/1566 „Dohuisen“
genannt. Der Name setzte sich aus dem Rufnamen „Dode“ und „Husen“, also
„Häuser“, zusammen. 1823 lebten hier 18 Personen in zwei Wohngebäuden.
Hohehörn, 1823 erwähnt, wird auch „Hogehörn“ genannt. Der Name bedeutet
„hochgelegene Ecke“ und deutet damit auf die Lage etwa 1,2 km nordöstlich des
Dorfes und nördlich der Bundesstraße 210 im Hammrich hin. 1823 lebten auf dem
Einzelhof fünf Personen.
Hornum liegt als früher einmal mit adeligen Rechten ausgestattetes Einzelgehöft
etwa ein Kilometer nördlich vom Dorf und der Bundesstraße 210. 1565/1566 wird
der Ort als „uf der Horn“ und 1684 als „zum Horn“ bezeichnet. In jüngeren
Quellen wird er auch „Horum“ genannt.
Der Name führt vermutlich auf die ursprünglich in die Jade hineinragende
Landspitze zurück. Der Ursprung der bei diesem Hof liegenden adligen Rechte ist
unbekannt. Die Ländereien umfassten im 19. Jahrhundert ca. 53 ha. 1811 und 1823
lebten hier 19 Personen in zwei Wohngebäuden.
Horst, südwestlich des Dorfes Asel gelegen, wird bereits 1684 als „auf der
Horst“ erwähnt. Der Name bedeutet „mit Gestrüpp bewachsene Anhöhe“. 1811 lebten
hier 30 Personen, 1823 waren es 24 in sechs Wohnhäusern.
Klinge, ein Einzelhof nordwestlich von Asel, wird bereits 1124 als „villa
Anaclingun“ erwähnt, 1684 fälschlicherweise als „Klimpe“ bezeichnet und 1730 auf
einer Karte zum ersten Mal als Klinge eingezeichnet. Obwohl der Name eigentlich
„Hügel“ bedeutet, ist ein solcher in Klinge nicht vorhanden. Klinge war früher
ein herrschaftliches Grashaus mit ca. 35 ha Land, das, 1676 von der Fürstin an
den Drost von Esens und Wittmund verkauft und mit adeligen Rechten versehen, von
dessen Sohn 1713 weiterverkauft wurde. 1811 lebten hier sieben Personen, 1823
waren es elf.
Nortis, 1823 als „Nörtis“ und 1853 als „Nördis“ erwähnt, liegt wenige hundert
Meter nördlich von Asel. Die Bedeutung ist „das nördlich gelegene Ackerland“.
Ursprünglich ein einzelnes Gebäude, wohnten hier 1823 fünf Personen.
Schluis, ein Einzelhof, ca. zwei Kilometer nordöstlich von Asel gelegen, wird
zwar erst um 1800 als „Schluiß“ erwähnt, könnte aber schon um 1400 das erste
Siel im Berdumer Tief gewesen sein. Die Bedeutung des Wortes ist „Schleuse“.
1823 lebten hier drei Personen.
Steinhamm, 1 km östlich von Asel gelegen, wird erst 1897 und damit relativ spät
als Ansiedlung verzeichnet. 1877 bis 1879 ist das Areal aus fiskalischem Besitz
in private Hände verkauft worden. Der Name bedeutet eventuell „Steinschutt im
vom Gräben begrenzten Weideland“ und könnte deshalb auf eine ältere Wüstung als
Vorgängersiedlung hindeuten.
6. Religion
Im 13. Jahrhundert war Asel dem Archidiakonat des Domdekans von Bremen
unterstellt und gehörte damit zunächst wohl zur Sendkirche Jever. 1420 wird Asel
aber als zur Sendkirche Wittmund des Bistums Bremen zugehörig geführt. 1537
wurde Mamme Folkerts, einer der ersten reformatorisch gesinnten Pastoren des
Harlingerlandes, Pastor in Asel und führte dort die Reformation ein. Seitdem
gehören die Menschen in Asel fast ausnahmslos der evangelisch- lutherischen
Kirche an. Das ursprüngliche Kirchenpatronat ist nicht überliefert, heute ist
die Kirche dem heiligen Dionysius geweiht.
7. Bildung, Kunst, Kultur
a. Schulische Entwicklung
1656 wird zum ersten Mal eine Schule in Asel erwähnt. Die beiden großen Plätze
zu Dohusen gehörten, obwohl sie politisch zu Asel gerechnet wurden, kirchlich
und schulisch nach Wittmund.
Dies änderte sich 1908, als die politische Gemeinde Träger der Schullasten
wurde. Das Schulgebäude befand sich wohl in der Nähe der Kirche. 1884 kam es zu
einem Neubau.
1970 wurde die Schulgemeinde aufgelöst, und die Aseler Kinder wurden nach
Wittmund eingeschult, seit August 1995 besuchen die Aseler Grundschüler die
Schule in Leerhafe. Das Aseler Schulgebäude wurde in eine Jugendbildungsstätte
des lutherischen Kirchensprengels Ostfriesland umgebaut.
b. Theater, Kino, Musik, Zeitungen
c. Kunsthistorische Besonderheiten
Die kleine Einraumkirche von Asel aus dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts
ragt auf einer künstlich angelegten Warf über das Dorf. Sie wurde um 1250 aus
schönen farbigen Granitquadern erbaut. Der flach gedeckte, mit einer Balkendecke
versehene, rechteckige Kirchenraum mit den Außenmaßen von nur 22 m Länge und 11
m Breite trägt ein Krüppelwalmdach.
Die Nord- und die Südwand zeigen je drei Rundbogenfenster. Die Apsis wurde 1825
abgebrochen und die Ostwand aus den alten leicht gerundeten Granitquadern mit
zwei etwas tiefer liegenden Rundbogenfenstern neu errichtet. Die Gebäudehöhe
wurde um 1,25 m vermindert.
Die Fensterbögen und der obere Mauerabschluss sind aus Backsteinen erneuert
worden. Von den beiden Eingängen ist das Südportal vermauert, das Nordportal
dient als Eingang.
Die Kanzel trägt die Jahreszahl 1602 und stammt von C. Röttgers. Sie zeigt als
Bemalung die vier Evangelisten, Martin Luther und Blumengehänge. Der Schrift-
und Bildaltar stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert. Im Zentrum finden sich
jeweils fünf schmale Inschriftspalten, den unteren Abschluss bilden die gemalten
Halbfiguren von Christus, Petrus, Paulus, der Taufe Christi und dem Abendmahl.
Im Altargiebel ist die Auferstehung dargestellt. Die Westempore stammt aus dem
17. Jahrhundert und zeigt in den Feldern gemalte Apostel. Der seltene,
hochbarocke Taufengel wurde 1753 von dem schlesischen Bildhauer David Benjamin
Opitz angefertigt und ist in seiner Art in Ostfriesland einzigartig. Weiterhin
hängen in der Kirche zwei prachtvolle Messing-Kronleuchter.
Die Orgel auf der Empore an der Westseite wurde von Gerd Sieben Janssen aus
Aurich 1855 aus Teilen einer Vorgängerorgel erbaut. Das ostfriesische
Kirchengestühl wurde in den 1970er Jahren aus der Kirche entfernt und durch
Stühle ersetzt.
Bis vor einigen Jahren war in der Ostwand des Glockenturms ein Teilstück eines
ehemals trapezförmigen Sarkophagdeckels aus rotem Sandstein mit Kreuz und
Bogenmuster eingelassen, dessen Alter auf etwa 1 000 Jahre geschätzt wird. Er
wird heute in der Kirche aufbewahrt.
Unter den Vasa sacra finden sich einer der wenigen überlieferten gotischen
Kelche Ostfrieslands mit einer dazugehörigen Patene, die aber keinem Meister
zugeordnet werden können. Außerdem hat die Gemeinde 1756 der Kirche eine
zinnerne Flasche als Weinkanne geschenkt.
Weiterhin sind eine einfache Zinnschale mit Blumendekor, eine zweite Zinnkanne
ohne Marke und eine runde Dose aus dem 19. Jahrhundert sowie das Krankengerät
mit Kelch und Kännchen im Futteral vorhanden. Letzteres wurde der
Kirchengemeinde 1916 gestiftet.
Südwestlich steht neben der Kirche ein 1661 aus den Steinen des Vorgängerbaus
neu aufgeführter Glockenturm des geschlossenen Typs mit einer Betglocke des
bekannten Glockengießers Ghert Klinghe von 1454 und einer großen Glocke von 1803
von den Glockengießern Mammeus Fremy und Mammeus Fremy Heidefeld.
In der Kirche befinden sich ein Denkmal und Schrifttafeln zu Ehren der im Ersten
und Zweiten Weltkrieg gefallenen Aseler Bürger. Unter den denkmalgeschützten
Häusern ist das ehemalige Vorwerk und spätere adelige Gut Klinge hervorzuheben.
Ein Keller aus dem 15. Jahrhundert verweist hier eventuell auf die Existenz
einer früheren Wasserburg.
d. Namhafte Persönlichkeiten
Als einer der drei Reformatoren des Harlingerlandes predigte Mamme Folkardus von
1537 bis zu seinem Tod 1576 in Asel. Am 26. August 1870 wurde Peter-Wilhelm
Johannsen in Asel als Sohn des Dorfschmieds Jacob Christian Johannsen geboren
(gest. 1957). Er besuchte die Knabenschule in Jever, erlernte in Bremen die
Kunst der Lithographie und wurde später vom dänischen König zum Skandinavischen
Meisterlithographen ernannt. Pastor Karl Schaaf (1895–1965), geboren in Hesel
und Sprengeljugendpastor in Asel von 1929 bis 1937, begründete 1929 die heutige
Jugendbildungsstätte.
8. Wirtschaft und Verkehr
Asel war im Laufe seiner Geschichte überwiegend durch die Grünlandwirtschaft
geprägt. „Ewiger“ Roggenbau mit Plaggendüngung wurde zwar betrieben, doch boten
die kleinen Geestrücken dafür nicht viel Raum. 1867 gab es in Asel 64 Wohnhäuser
mit 76 Familien und 350 Personen. Es wurden 100 Pferde, 400 Stück Rindvieh und
192 Schafe gehalten. Auf eine Familie kamen 1,3 Pferde, 5,3 Stück Rindvieh und
2,5 Schafe.
Das Handwerk bewegte sich in Asel durch die Nähe zu Wittmund immer auf relativ
niedrigem Niveau. 1880 gab es in Asel selbst nur einen Gastwirt und einen
Schmied, in Horst existierten aber noch ein Krämer, ein Schuster, ein
Gesindemakler sowie zwei Schneider und zwei Zimmerleute. 1901 erhielt ein Töpfer
aus Asel die Erlaubnis zur Gründung einer „Dampftöpferei“ in Wittmund. In der
Gemeinde Asel gab es seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert vier Wassermühlen zur
Entwässerung. Mindestens drei von ihnen wurden später als Mahlmühlen mit einem
Peldegang ausgerüstet, wobei die 1802 projektierte Mühle in Nortis als
Galerieholländer umgebaut wurde und bis zu ihrer Zerstörung im Jahre 1929 durch
Blitzschlag als Wahrzeichen des Dorfes galt.
Die Zahl der Auspendler aus Asel betrug 1950 11,4% gegenüber einem nicht
nennenswerten Anteil von Einpendlern. 1961 gab es genauso viele Aus- wie
Einpendler, es pendelten jeweils 7%. Aber schon gut zehn Jahre später (1971) war
der Anteil der Auspendler auf 55,6% gestiegen, damit hatte die Mehrheit der
Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz außerhalb des Dorfes.
Dementsprechend hatte sich die Zahl der nicht landwirtschaftlichen
Arbeitsstätten in dem entsprechenden Zeitraum bis 1970 von 16 auf zehn
vermindert. Die Zahl der dort Beschäftigten ist aber dennoch mit 29 – im
Vergleich zu 34 im Jahr 1949– relativ konstant geblieben.
Der Krämerladen und die Dorfgaststätte schlossen Ende der 1970er Jahre ebenso
wie die Poststelle und der Bahnhof. Ende der 60er Jahre siedelte sich in
Sichtweite das Rehau-Werk an, das auch Aselern Beschäftigung bietet.
1949 gab es 44 landwirtschaftliche Betriebe. 1957 lebten noch 30 Familien
ausschließlich von der Landwirtschaft, zwölf Familien betrieben
Nebenerwerbslandwirtschaft mit zwei bis drei Kühen. Die Zahl der
landwirtschaftlichen Betriebe stieg bis 1966 auf 49 an, um dann bis 1971 auf 32
abzusinken. Für die Zeit nach 1970 und speziell seit der Eingliederung in die
Einheitsgemeinde liegen keine vergleichbaren Zahlen mehr vor. 2006 gibt es nur
noch acht Vollerwerbsbetriebe.
1921 wurde in Asel eine Elektrizitätsgenossenschaft gegründet, die nach dem
Zweiten Weltkrieg von der Energieversorgung Weser-Ems übernommen wurde. Aber
erst 1959 wurde auch das letzte Haus in Asel mit elektrischem Strom versorgt.
Wasseranschluss durch den Oldenburgisch- Ostfriesischen Wasserverband bekam Asel
1948.
1854 wurde die heute am nördlichen Ortsrand von Asel vorbeiführende Bundesstraße
210 zwischen Wittmund und Jever als Chaussee ausgebaut. Seitdem gab es in Asel
zunächst bis etwa 1865 eine Wegegeldhebestelle. 1883 wurde Asel von der
Ostfriesischen Küstenbahn erschlossen. Bis Ende der 1970er Jahre gab es hier
eine Eisenbahnhaltestelle. Die Poststelle war in der hiesigen Gaststätte
untergebracht und ab 1964 bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1975 im Hause der
Poststellenleiterin.
Asel ist eingebunden in die Flurbereinigung Wittmund-Nord, die 2 614 ha von 445
Eigentümern umfasst, 1995 begann und wahrscheinlich 2009 abgeschlossen wird.
9. Politische Orientierung und öffentliche Meinung
Bei den Wahlen zur preußischen Landesversammlung 1919 entschieden sich nur 7,3%
für die rechtsradikale, die Weimarer Republik ablehnende DNVP. Alle anderen
Stimmen entfielen auf die SPD (17,5%), die linksliberale DDP (41,6%) und die
rechtsliberale DVP. 1924 konnte die DNVP bereits 40,2% für sich verbuchen, die
NSDAP 26,8% und die SPD nur noch 6,3%.
1930 entschieden sich 30,2% der Wähler in Asel für die DNVP und 47,6% für die
NSDAP.
Bei den Reichstagswahlen im Jahre 1933 erhielt die NSDAP in Asel 57,23% der
Stimmen, gefolgt von der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot (24,86%) und der SPD mit
10,98%.
Bei den Bundestagswahlen 1949 erhielt die CDU 19,9%, die SPD 34,6%, die FDP 23%
und die beiden rechtsradikalen Parteien DRP und DP je 11,5% und 5,2%. Bei den
nachfolgenden Wahlen entfielen die Stimmen für die rechten Parteien, die FDP
blieb mit bis zu 27,7% relativ stark und die SPD konnte bis 1972 ihre Führung in
der Wählergunst immer weiter ausbauen.
1972 erzielte die SPD 54% gegenüber 35,5% der CDU. 2005 erreichte die SPD in
Asel mit 52% wieder die absolute Mehrheit, nur 26,4% der Aseler Wähler stimmten
für die CDU (Grüne 1,6%, FDP 10,8%, Linke 6,8%).
Auf kommunaler Ebene errangen in Asel bei den ersten freien Wahlen nach dem
Zweiten Weltkrieg die SPD 340 und die FDP 380 Stimmen. Vier Jahre später
gesellte sich der BHE als dritte politische Kraft dazu. 1961 kam erstmals die
CDU in den Gemeinderat, aber die SPD blieb stärkste Partei. Nach der
Eingemeindung 1972 nach Wittmund stellte die Freie Wählergemeinschaft den ersten
Ortsvorsteher, seit 1981 stellt ihn die SPD. Einen überragenden Sieg errang die
SPD im Jahre 1996 bei den Gemeindewahlen mit 74,22%; dieses Ergebnis wurde 2001
bestätigt.
10. Gesundheit und Soziales
Ein funktionierendes Armenwesen lässt sich in Asel spätestens seit 1742
nachweisen. Ein so genanntes Armenhaus wurde erst in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts errichtet und später wieder verkauft. 1865 wurden 14 Personen, 1857
18 Personen aus der Armenkasse versorgt.
Die älteste Gemeinschaft ist der um 1860 gegründete Beerdigungsverein. In den
1930er Jahren gab es in Asel für kurze Zeit einen Schützenverein. Ende der
1970er Jahre wurde ein Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt gegründet, der sich bis
1988 hielt. Um den dörflichen Zusammenhalt zu stärken, baute die Kommune ein in
der Mitte des Dorfes liegendes Bauernhaus zu einem Dorfgemeinschaftshaus um und
übergab es 1990 der Dorfgemeinschaft in Trägerschaft.
Der Bürger- und Heimatverein, 1988 ins Leben gerufen, ist Träger des
Dorfgemeinschaftshauses geworden.
Das Aseler Schulgebäude wurde in die Jugendbildungsstätte des lutherischen
Kirchensprengels Ostfriesland integriert. Jährlich werden rund 12 000
Übernachtungen durch Konfirmanden- und Gruppenfreizeiten in der
behindertengerecht ausgebauten Anlage registriert. Zur Unterstützung wurde 1994
in Asel der Freundeskreis der Evangelischen Jugendbildungsstätte des Sprengels
Ostfriesland gegründet. Auf dem früheren Marschenhof Klinge wird betreutes
Wohnen angeboten.
11. Quellen und Literatur
Zu den Kurztiteln und zu den angeführten statistischen Angaben vgl. die Datei
„Literaturverzeichnis Historische Ortsdatenbank Ostfriesland“.
Quellen:
Staatsarchiv Aurich: Dep. 202, Nr. 70; Rep. 4 B 2 n, Nrn. 29, 524; Rep. 6, Nr.
3267, 3273, 4025; Rep. 12, Nrn.
1283, 3110; Rep. 14, Nr. 1567; Rep. 15, Nrn. 3550, 3560, 4267, 5956, 5958, 6880,
9586, 10827; Rep. 16/1, Nr.
5408; Rep. 44, Nr. 842; Rep. 56, Nr. 16; Rep. 61, Nr. 15; Rep. 129, Nrn. G 208,
268, 273; Rep. 250, Nr. 37276;
Rep. 252, Nr. 39.
Ostfriesische Landschaft, Ortsakte Asel.
Schulchronik von Asel, 1887 bis 1949 (Original verbrannt), Kopie im Besitz von
Wilfried Janssen.
Asel, Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden,
Manuskript von 1795, Mskr.
439.
Literatur:
Anzeiger für Harlingerland vom 6.5.1981.
Arends, Erdbeschreibung, S. 506-507.
Balthasar Arends Landesbeschreibung.
Arends, Burgen (6.11.1824).
Bertram, Johann Friedrich, Geographische Beschreibung des Fürstenthums
Ostfriesland und angränzenden Harrlingerlandes, aufs neue mit einigen Zusätzen
vermehret von C. H. Normann, Aurich 1787.
BUB, Bd. 2, Nr. 513.
Daniel, Fritz, „Die Klinge“ im Kirchspiel Asel, in: Unser Ostfriesland. Beilage
der Ostfriesen-Zeitung, 1955, Nr.
1.
Dehio, Kunstdenkmäler, S. 141-142.
Drees, Heinrich, „lieget in einer niedrigen gegend“. Aus der Chronik der Schule
zu Asel, in: Friesische Heimat.
Beilage zum Anzeiger für Harlingerland, 1952, Nr. 188 (16.8.1952).
Ders., Aus der Chronik der Schule zu Asel, in: Unser Ostfriesland. Beilage der
Ostfriesen-Zeitung, 1963, Nr. 14.
Gröttrup, Hendrik, Die Verfassung und Verwaltung des Harlingerlandes 1581-1744
(Abhandlungen und Vorträge
zur Geschichte Ostfrieslands, 38), Aurich 1962.
Haiduck, Hermann, Ein Hauch von Rokoko in Ostfriesland. Entdeckung eines Werkes
des schlesischen Bildhauers
Daniel Benjamin Optiz in der Kirche von Asel, in: Emder Jahrbuch für historische
Landeskunde Ostfrieslands
76, 1996, S. 66-71.
Ders., Zwei Ritzzeichnungen auf einer mittelalterlichen Glocke in Asel, in:
Ostfriesland, 1975, H. 2, S. 17-20.
Henninger, Wolfgang, Der Orgelbauer Gerd Sieben Janssen (1802-1899) aus Esens.
Er baute unter anderem die
Orgeln zu Asel und Eggelingen, in: Friesische Heimat. Beilage zum Anzeiger für
Harlingerland, 2002, Nr. 9
(13.8.2002).
8
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Stephan Janßen
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