Aktualisiert am 01.05.2010
Harte Winter im Harlingerland in früherer Zeit
Vom 12.02.1963
In alten Chroniken finden sich oft Aufzeichnungen über besondere Naturereignisse, auch von harten Wintern wird berichtet. Der Berdumer Pastor Balthasar Arend, der im Jahre 1687 starb, schrieb in seinem „Zeit-, Jahr- und Tagweiser des Harlingerlandes2 über das Jahr 1655: „… den 1. Februar endigte sich die grimmige Kälte, welche an die 10 Wochen continuierlich angehalten hatte.“ Drei Jahre später, im Jahre 1658, berichtet er: „Wegen der großen anhaltenden Kälte konnte dieses Jahr kein Märzkorn gesät werden.“ Aus dem Jahre 1669 dürfte folgende Eintragung von Interesse sein: „… vom 1. bis 28. Januar war ein sehr starkes Winterwetter, wider aller Kalenderschreiber Meinung, siehet man also, daß Gott alles nach seinem und nicht der Menschen Willen und Meinung mache.“ Aus dem Jahre 1670 wird folgendes berichtet: „Im Februaro war eine sehr grimmige Kälte, daß viele Kühe umkamen teils wegen der Kälte, teils auch wegen Mangel der Fütterung, bei dem vorigen trockenen Sommer zurückgeblieben.“
Vom Jahre 1674 hören wir folgendes: „Den 14. Martii fing es an mit Regen zu dauen, nachdem bei Menschengedenken dieser Orten nicht möchte ein so starker continuierlicher Winder gedacht sein, sonderlich wegen der strengen Kälte, gar vielfältigen Schnees und starker Ostwinden, massen von dem Schnee ganze große Hügel und Berge zusammengeführet waren, ja, so viele Häuser und Scheunen waren ganz im Schnee und deromassen mit Schnee bedecket, daß sie einfallen wollten und die Bewohner sich heraussen graben mussten. Ein Nachbar konnte in etlichen Tagen zum anderen nicht kommen. Einige Leute haben in zwei Tagen kein Tageslicht sehen können und sind endlichen zum Bock und Giebel aus den Häusern gestiegen. Den Schnee haben sie geschmolzen, daß sie Wasser gehabt, sowohl zum Vieh, als ihnen selbsten. Man hat über Busch und Häuser gleich überreiten und laufen können. Es zerbrachen viele schöne Bäume unter dem Schnee und die Berge und Högten des Schnees waren verwunderlich und unbeschreiblich hoch und seltsam. Als der Schnee zerging, brachte er ungewöhnlich viel Wasser, dass dieses niedriggelegene, sonderlich der Gegend Wittmund, Asel, Eggeling, Beerdem und Fonnichs schmerzlichst unter Wasser gesetzet ward dadurch nicht allein verhindert ward, dass kein Märzkorn könnte gesäet werden, sondern es erfolgete auch eine langsame und beschwerliche Saatzeit.“
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Stephan Janßen
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