Hier ist was los

Besuchen Sie die folgenden Seiten, sie wurden soeben überarbeitet:

Online Galerie (Alles rund um Ostfriesland)

Aseler Anzeiger (Scans der Original Anzeiger aus den Jahren 1982-1992)

Mühlen in Ostfriesland und die Beschreibung laut Wiki

Heimatkalender 2007, einige Auszüge aus der Feder von Wilfried Janßen

Wi snackt Platt - Döntjes up platt

 

Aktualisiert am 01.05.2010

 

Süchtig nach Historie
Wilfried Janßen geht dem Dorf Asel auf den Grund

Von 1986

ALS APRILSCHERZ war die Nachricht gedacht. Asel, so schrieb Wilfried Janßen im vergangenen Jahr im Wittmunder Heimatblatt, bekommt ein Dorfgemeinschaftshaus. Und er malte den Lesern auch das künftige Dorfbild aus, mit ländlichem Klinkerpflaster und Sprossenfenstern.
April, April? Keineswegs. Es sollt tatsächlich alles so kommen. Aber das erfuhr Wilfried Janßen auch erst später und wurde dann gefragt, ob er vielleicht das „zweite Gesicht“ habe…
Aber ein Hellseher ist er nicht, sondern ein Dorfbewohner, der sich ebenso um die historischen Wurzeln seines Wohnortes kümmert wie um dessen Zukunft.

1977 ist Janßen, gebürtiger Wittmunder, in die unmittelbare Nachbarschaft nach Asel gezogen, des preisgünstigen Baulandes fürs eigene Häuschen wegen. Seine Freunde und Bekannten meinten zwar naserümpfend, dass in dem Nest doch „tote Hose“ herrsche, zu deutsch: In Asel ist auch absolut nichts los.
Heute behaupten die Leute das Gegenteil. Wenn es drei, vier Tage mal keine aufregenden Neuigkeiten aus Asel gegeben hat, heißt es: Was ist jetzt – Nachrichtensperre über Asel?

Das Dorf, das seit der Gemeindereform zur Stadt Wittmund gehört, machte früher allenfalls Boulevardblatt-Schlagzeilen als angeblich einziger Nachtbar-Standort mit Bahnanschluss. Wenn das Etablissement morgens seine Pforte schloss, kam nämlich gerade der erste Zug vorbei. Doch die Bahn ist auch nicht mehr, was sie war: Inzwischen muss das Rotlicht-Häuschen, das zu Asel passt wie eine Herde Schwarzbunter nach St. Pauli, mit dem Auto angesteuert werden. Die Erotik-Oase an der Bundesstraße 210 wird von den Dörflern gründlichst ignoriert.

In Asel steht die Kirche auch im übertragenen Sinn noch mitten im Dorf und prägt dessen kulturelles Leben, mit Sing- und Jugendkreis, Frauen- und Bastelkreis, Posaunenchor. Dann gibt es da noch die Arbeiterwohlfahrt, und die hat mit Dorffesten, Radtouren und Maibaum-Aufstellen dafür gesorgt, dass Asel endlich wieder und auf durchaus erfreuliche Weise in die Zeitungsspalten kam.

Erst in Asel hat Wilfried Janßen erfahren, dass seine Vorfahren schon vor ihm dort gewesen sind. Seine Urahnen kamen als hugenottische Religionsflüchtlinge aus Frankreich nach Burhafe, und weil sie Glockengießer waren, betrieb Janßen Familieforschung und wurde, in Asel, fündig. Dort hängt nämlich eine Glocke aus der Werkstatt der Fremy; so hießen seine Vorfahren. Auf den Spuren seiner Ahnen entdeckte Janßen nebenher immer mehr Interessantes über sein Wahl-Dorf. Sämtliche Bände des Anzeiger für das Harlingerland von 1862 bis heute hat er nächtens daheim durchforstet, oft bis morgens um vier Uhr, mit sehr müden Augen und mitunter auf den vergilbten Zeitungsseiten einnickend. Aber zufrieden.
„Geschichte ist wie eine Sucht“, sagt Janßen über sein Hobby, „man will immer mehr wissen.“
Die Zugehörigkeit des Neubürgers ist mittlerweile garantiert. Das schönste Kompliment machte ein alteingessener Bauer dem Neuling mit dem Satz: „Du bist auch ein Aseler.“

Für sein Dorf stellt Janßen die Familienforschung inzwischen hinten an. Mit dem von ihm vor einem Jahr gegründeten heimatgeschichtlichen Arbeitskreis kniet er sich in die Aseler Historie, und die ist ergiebiger, als man auf den ersten flüchtigen Blick vermuten möchte. Da gibt es zum Beispiel die Geschichte von der Aseler Entwässerung. Das Dorf, zwischen Jever und Ostfriesland gelegen, entwässerte sein reichlich vorhandenes überflüssiges Nass in Richtung der Marienstadt. Die Jeveraner erfreute das gar nicht, sie bauten einen Damm gegen das Aseler Wasser und postierten Soldaten, falls die Dörfler etwa auf die Idee kommen sollten, denselben zu zerstören. Daraufhin schickte man aus Aurich Soldaten mit einer Kanone, und die Aseler durchstießen den Damm: Wasser marsch in Richtung Jever!

Die Sturmfluten ragte Asels Geestrücken wie eine Insel aus der Harlebucht heraus. Die Heimatforscher haben die Reste eines Ringdeiches gefunden, der das Dorf im frühen 14. Jahrhundert umschlossen hat. Die Dämme stehen, der Landkreis Wittmund reagierte schnell auf die Anregung des Arbeitskreises, inzwischen unter Denkmalschutz. Das war, sagt Janßen, „ein ganz starker Impuls für uns“.
Gegenwärtig geht er dem Hinweis nach, dass Asel einst zwei Burgen besessen haben soll.

Da die Freizeit-Historiker aber auch „ein sehr weltlicher Kreis“ sind, haben sie so nebenbei einen Eulenkasten auf dem Dachboden der Kirche installiert, die Stadt mit Plänen für den Umbau eines Bauernhofes zu einem Dorfgemeinschaftshaus und auch gleich für eine komplette Dorferneuerung überrascht. Das beauftragte Ingenieurbüro kam zu ähnlichen Konzepten, und so ist die Dorfgestaltung in Asel kein strittiges Thema.

Die 430 Einwohner erlebten seit den 70er Jahren wie „Schritt für Schritt alles abgebaut wurde“: Die Schule schloss, die Selbstständigkeit ging verloren, und postalisch ist Asel gar nicht mehr vorhanden; es rangiert unter „Wittmund 1“. Aber die Bewohner wollen auf ihren Dorfnamen nicht verzichten, „weil wir keine anonyme Nummer sind“.

Durch Zufall hat Janßen, von Beruf Fotosetzer und Vater von vier Kindern, die Aseler Schulchronik wieder entdeckt. Ein Bediensteter hat sie, kurz vor dem Feuer in einem Baracken-Verwaltungsgebäude der Stadt, noch schnell kopiert. In zwei Jahren will Wilfried Janßen mit seinem Arbeitskreis eine Dorfchronik vorlegen. In seiner Dunkelkammer reproduziert der Hobby-Fotograf, der voller Pläne steckt, auch alte Fotos, für eine Ausstellung. Durch die Heimatforschung ist der 42jährige schon so bekannt geworden, dass er Einladungen zu Ausstellungen bekommt, um Vorträge und Kirchenführungen gebeten wird. „Das ist schön“, meint er, dem es nicht liegen würde, im Elfenbeinturm still für sich alte Akten zu entziffern, „aber auch anstrengend“.

 

______________________________________


Gästebuch

 

_____________________________________________________________________
WebDesignAsel
Stephan Janßen
E-Mail:
» WebDesignAsel

Es waren schon

 
Besucher auf dieser Seite


Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits