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Aktualisiert am 01.05.2010

 

Urgestein aus der Eiszeit als Baustoff
Das Gotteshaus von Asel ist ein leuchtendes Beispiel für den Farbenglanz von Granitsteinquadern

Vom 19. Januar 2002

Kirchen aus Granitquadern sind in der Region nun wirklich keine Seltenheit. Die St.-Dionysius-Kirche in Asel kann jedoch mit auffällig schönen Farbschattierungen des Mauerwerks und sogar mit einem fast schwarzen Granitstein aufwarten. Grund genug also einmal nachzuforschen, woher diese Granitquader stammen und unter welchen Mühen letztendlich hohe Kirchenmauern aus ihnen geschaffen wurden.

Weit zurück reicht diese Geschichte, zurück bis in die Eiszeit: Mächtige Gletscherströme brachen große Brocken Urgestein von den skandinavischen Bergspitzen und aus den Fjorden ab und „rollten“ sie über mehrere hundert Kilometer unter anderem bis in die alten Geestgebiete. Dort angekommen war aus dem gebrochenen scharfzackigen Felsstück ein fein gerundeter Felsbrocken geworden, der Findling war geboren.

Wie auch immer ist unklar, auf jeden Fall aber kamen die Bauleute im 12. Jahrhundert auf die Idee, diese Findlinge zum Bau von festen Häusern und auch Kirchen zu benutzen. Die Zeit der anfälligen und nicht lange haltbaren Holzkirchen war vorbei. Es muss eine wahre Plackerei gewesen sein, die Steine von ihren Fundorten auf die Kirchwarften zu transportieren. Aber es gelang, wenn auch in meist jahrelanger Arbeit.

Die Findlinge wurden in der Mitte gespalten und die Bruchstellen sowie die unteren, oberen und seitlichen Auflageränder sorgfältig geglättet und in rechteckige Form gebracht. Die hintere Steinseite blieb unbehauen. So gewann man aus einem Findling zwei Quadersteine. In zwei Schalen wurden die Mauern hochgezogen, den Zwischenraum füllten die Baumeister mit vor Ort gebranntem Muschelkalk.

Unvorstellbar erscheint es heute, wie diese großen und schweren Granitquader letztendlich an ihren Platz in der Mauer geschafft wurden, die zumindest im fortgeschrittenen Baustadium mehrere Meter über dem Boden lag. Aber auch das gelang, und so entstanden in langjähriger Bauzeit die heutigen Granitquaderkirchen.

Die St.-Dionysius-Kirche in Asel ist wie gesagt ein ungewöhnlich schönes Beispiel der Farbenprächtigkeit des Granitsteins. Anfang des 13. Jahrhunderts wird sie wohl entstanden sein. An der Ostwand gab es früher eine halbrunde Apsis, die aber wurde im Jahre 1825 abgetragen. Die einräumige Saalkirche steht auf der Dorfwarf und hat einen etwas abseits gelegenen Glockenturm, der im Jahre 1661 aus Backsteinen eines Vorgängerbaus errichtet wurde. Er beherbergt u. a. eine Glocke, die aus dem Jahre 1454 stammt. Das frühere Südportal ist heute zugemauert.

Etwas ganz Besonderes findet sich aber auch im Inneren des Kirchenschiffs: Dort „schwebt“ über dem Taufbecken ein Engel, eine Barock-Arbeit aus den Endjahren des 17. Jahrhunderts und zumindest in Ostfriesland einzigartig. Zu den Inventarstücken gehören zudem ein Altar und eine Kanzel, beides sind Frühbarock-Arbeiten aus den Anfängen des 17. Jahrhunderts. Auf der Empore an der Westseite steht heute die Orgel.

Der getrennt von der Kirche stehende Glockenturm ist übrigens keine Seltenheit. Das war früher in der Regel so und hatte auch einen guten Grund: Denn das Schwingen der Glocken belastete Mauern und Fundamente der Türme stark. Daher setzte man die gemauerten Glockentürme, sie waren Nachfolger hölzerner Glockenständer, an die Stelle der Kirchwarf, die vom Untergrund her am tragfähigsten erschien.

 

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Stephan Janßen
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