Aktualisiert am 01.05.2010
Die Dionysii-Kirche zu Asel hat eine
lange
und interessante Geschichte
1537 predigte hier der Harlinger Reformator Mamme Folkerts
Die Missionierung in Friesland begann etwa um 700 n. Chr. Im Gegensatz zur sonst üblichen Praxis geschah dies ohne Waffengewalt. Die Geschichte der Bekehrung ist geprägt von vielen Rückschlägen; erst im 11./12. Jahrhundert stabilisiert sich die Lage und viele Gotteshäuser entstehen – meist auf den heiligen Stätten der Friesen.
Dass ausgerechnet im 11./12. Jahrhundert ein Gotteshaus-Boom ausbrach, hat meiner Meinung nach viel mit dem etwa 1000 n. Chr. beginnenden Deichbau und der etwa 200 bis 300 Jahre währenden relativen Sturmflutruhe zu tun. Erhebliche Landzuwächse ermöglichten es den „Neureichen“, einen Teil davon dem Pfarrer zur Eigenbewirtschaftung zu überlassen. Dies war eine Voraussetzung für den Bau der Kirchen, da die Pfarrer keine feste Besoldung erhielten. Interessant dürfte auch sein, dass meist erst durch den Bau der Kirchen Kirchengemeinden bzw. Kirchspiele entstanden – nicht umgekehrt.
Die Entstehungszeit unserer Kirche wird auf etwa 1250 geschätzt. Man bediente sich der Baustoffe, die hier in Massen vorhanden waren, nämlich Granitquader und Muschelkalk. Die Bearbeitung der Quader war mühselig, man importierte dann Tuffstein, der sich der rauen Seeluft jedoch nicht lange erwehren konnte. Später konnte man den aus Holland importierten Backstein verwenden, bevor er auch hier an Ort und Stelle hergestellt werden konnte. Die ersten Kirchen wurden allerdings noch aus Holz errichtet, diese Bauweise konnte in Asel nicht nachgewiesen werden.
Die Aseler Dionysii-Kirche ist eine der wenigen erhalten gebliebenen Granitquader-Kirchen Ostfrieslands. Dies ist der weisen Voraussicht unserer Vorfahren zu verdanken, die 1825 rigoros die angegliederte Ostapsis abriss, eine neue gerade Wand aus den Quadern zog und gleichzeitig die Mauern mit Backstein erhöhten, um dem Dachstuhl einen festen Halt zu geben.
Die Kirche wurde auf dem höchsten Punkt der Geestinsel Asel gebaut, ca. 5 m über NN. Zusätzlich wurde eine künstliche Warf aufgeschüttet, und so bot die Kirche zusätzlichen Schutz vor Wasserfluten, aber sie diente nachweislich auch als „Veste“.
Nach mehreren schweren Sturmfluten im 13. Jahrhundert, die Asel zur Halbinsel machten, waren es 1374 und 1377 die Dionysii-Fluten, die das Werk vollendeten; Asel war vom Nordseewasser eingeschlossen und eine Insel. In der ersten Not bot die Kirche Zuflucht. Um der Sache etwas Positives abzugewinnen, ist es denkbar, dass man die Kirche nach dem Heiligen Dionysii benannte, um den Menschen zu suggerieren, dass dieser letztendlich doch etwas Gutes brachte. Diese Vermutung steht allerdings im Gegensatz zur damals gängigen Praxis der sofortigen Kirchenbenennung nach einem Heiligen; vielleicht hat ja aber auch eine Umbenennung stattgefunden.
Nach den verheerenden Sturmfluten begann man sofort mit der Anlegung des „Aseler Ringdeiches“, der sich weiträumig um Asel zog und überspültes Sietland mit einschloss. Danach wurden Querdeiche zur Sietwendung, einem alten Seedeich zum Jeverland, gezogen und Asel hatte wieder Festlandverbindung.
Die Anbindung an Wittmund ging nicht so schnell vonstatten, war aber bis dahin auch nie gegeben. Asel gehörte bis zur Katastrophe zum Asterga mit Jever als Hauptort. „Schuld“ daran war das Crilduner Tief, das sich an Hornum, Klinge und Dohusen vorbei ein schiffbares Tief gegraben hatte, um sich südlich von Wittmund mit dem Leerhafer Tief zu vereinigen. Diese natürlichen Grenzen waren gleichzeitig die Gaugrenzen damaliger Zeit. Erst 1420 wird Asel der Wittmunder Kirche zugeordnet.
Wie man sieht, ist unsere Kirche in West-/Ostrichtung erbaut, wie der Osten überhaupt eine dominierende Rolle spielt. Wie schon erwähnt, war der Kirche eine Ostapsis vorgegliedert, der Altarraum. So waren (und sind) Pastor und Gemeinde gezwungen, ihre Gebete gen Osten zu verrichten, zumal das Gestühl auch nach Osten ausgerichtet ist. In manchen Kirchen ist auch die Orgel über dem Altar auf einer Empore installiert. Sogar die Toten werden so gebettet, dass sie der aufgehenden Sonne „ins Gesicht sehen können“. Es wird vermutet, dass diese „Osten-Verehrung“ ein Zugeständnis an das Heidentum war. Eine weitere Besonderheit sind die Eingangstore im Norden und im Süden. Während Die Frauen und Kinder die Nordtür benutzen mussten, war den Männern die Südtür vorbehalten. Man kennte diese Tore auch als „Normannenporten“. Der Sage nach sollen die Normannen befohlen haben, die Kirchentüren so niedrig zu halten, damit sich die stolzen Friesen gen Norden, der Heimat der Normannen, verneigen mussten.
Nur zu bestimmten Anlässen durften die Frauen die Südtür benutzen, nämlich zur Verlobung oder zur Hochzeit, deshalb nennt man diese auch die „Brauttür“. Die eigentliche Zeremonie der Vermählung soll allerdings im Freien stattgefunden haben. Dieser Brauch breitete sich von Frankreich über England auch nach Friesland aus, sicher ein Hinweis auf den Einfluss der aus England stammenden Missionare, die teilweise sogar aus Friesland stammten.
Prediger aus der Vorreformationszeit sind nicht mehr bekannt. Der erste evangelische Prediger war Mamme Folkardus, er gilt (zusammen mit Johannes Visbek aus Burhafe und Richardus Hicko aus Dunum) als Reformator des Harlingerlandes.
Folkerts wurde 1498 in Middoge als Sohn eines dortigen Häuptlings geboren. Seine erste Predigerstelle bekam er in Ardorf. Wegen seiner dort seit 1525 verkündeten lutherischen Lehre wurde er vom geldrischen (katholischen) Drosten Berent von Hackfort vertrieben, 1537 jedoch durch den Esener Junker Balthasar wieder in Asel eingestellt.
Mamme Folkardus, wie er sich nannte, starb im 78. Lebensjahr und hinterließ drei Söhne. Folkard Mammen wurde sein Nachfolger in Asel, der zweite Sohn Prediger in Ardorf und Marx, und der dritte Sohn, Eilard, soll zuerst dem Grafen Edzard II. gedient haben und danach, im Jahre 1595, Sekretär der Stadt Emden gewesen sein. Wahrscheinlicher ist aber, dass dieser Eilard ein Enkel des Mamme Folkardus gewesen ist. Richtig ist jedoch, dass von Eilard Folkardus der berühmte ostfriesische Geschichtsschreiber Harkenroth abstammt.
Mamme Folkardus muss ein großer Eiferer gewesen sein. Nach einer Überlieferung 1) sollen die Aseler sehr geklagt haben, „dass er die jungen Leute alhier habe auf allerhand Arbeiten vom Papsttum abgeführet und sie sonderlich angefrischet, die paptistischen Bilder aus der Kirche zu holen und zu verbrennen, darüber die Eltern, sonderlich die alten Mütter sehr geklaget und mehrmalen gesprochen: Ach der Ketzer Mamme Folkerts verführet unsere Kinder!“ Man könnte fast meinen, damals bereits sei der Grundstein für die heutige führende Stellung Asels in der kirchlichen Jugendarbeit gelegt worden.
Aus der langen Reihe der Aseler Pastoren sind weiter noch hervorzuheben: Pastor Janus (1789-1805), der seine Verdienste aber Juist verdankte, wo er vorher diente und als Mitbegründer des späteren Seebads gilt.
Vielen bekannt dürfte auch noch Pastor Cöster sein, der sich einen Namen in der Jugendarbeit machte und sich mit den Kriegerheimstätten in Wittmund ein Denkmal setzte, denn diese wurden auf seine Initiative für Veteranen des 1. Weltkrieges errichtet.
Allen bekannt sein dürfte noch Pastor Carl Schaaf, der 1929 offiziell als erster Jugendpastor Ostfrieslands ernannt wurde und seine Arbeit in einer zum Pfarrhaus gehörenden teilweise ausgebauten Scheune begann. Erst 1964 wurde nach zweijähriger Bauzeit die neue Jugendbildungsstätte eingeweiht, Asel rückte jetzt endgültig ins Zentrum der evangelischen Jugendarbeit in Ostfriesland. Als 1971 der Schulstandort Asel aufgelöst wurde, wurde das Gebäude dem Jugendzentrum zugeschlagen. Im Jahre 1987 wurden die Anlagen modernisiert und auf 50 Betten aufgestockt. Zur Jugendbildungsstätte gehören umfangreiche Freizeitanlagen wie Sportplatz, Blockhütte, Minigolf etc.
Wenden wir uns jetzt dem Inneren der Kirche zu. Wir sehen eine Einraumkirche, wie sie hier in unserer Gegend vorherrscht. Die Dionysii-Kirche ist nicht sehr groß, aber ihre Geräumigkeit wird verstärkt durch die karge Einrichtung, hervorgerufen durch die Renovierung im Jahre 1971, als man das abgängige alte ostfriesische Kastengestühl kurzerhand herausriss und durch Stühle ersetzte. Verschwunden ist damit auch der Kirchenstuhl, der zum ehemals adligen Gut „Die Klinge“ gehörte. Diese Besitzung wird bereits 1124 als „Villa anaclingun“ in alten Urkunden erwähnt und gehörte damals zum Kloster Rastede. Nicht verschwunden ist der Rokoko-Taufengel aus dem frühen 18. Jahrhundert, der von dem jeverschen Bürgermeister Claessen gestiftet wurde und nicht nur für Ostfriesland eine Besonderheit darstellt.
Über den Taufstein weiß man nur, dass er lange Zeit im Ardorfer Pastorengarten gelegen haben soll und von dort nach Asel kam. Er ist leider auf „neu getrimmt“ worden, dürfte aber ein ansehnliches Alter haben.
Eine Besonderheit sind auch die Kronleuchter. Einer wurde von Ebken Cramer (vor der Familie Oncken auf Klinge ansässig) am 17.10.1711 der Kirche gestiftet, der andere von einem Baerent Reinniets.
Der Barockaltar stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert. Durch Restaurierungsarbeiten wurden leider Inschriften überpinselt. Sie sind aber teilweise noch zu erkennen und es ist zu hoffen, dass sie eines Tages wieder fachgerecht freigelegt werden. Rechts hinter dem Altar ist eine Gedenktafel angebracht, die auf Pastor Johann Volrath von Lewen (gest. 1772) hinweist, der hier seine letzte Ruhe fand. Hinweise auf weitere Begräbnisse sind vorhanden.
Die Kanzel stammt aus dem Jahre 1608 und wurde im Jahre 1757 von C. Rötgers restauriert. An der Stirnseite der Orgelempore befinden sich an jeder Seite vier bunte Motive und stellen links Johannes, Jacobus, Andreas und Paulus, rechts Philipp, Thomas, Matthäus und Jacobus dar. Außerdem befindet sich auf der Südseite in einer Nische der zugemauerten Südtür noch ein Denkmal mit den Namen der Gefallenen beider Weltkriege. Die auf der Empore stehende Orgel stammt aus dem Jahre 1856, ihr Prospekt soll noch von einer Vorgängerorgel aus dem Jahre 1780 stammen.
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Stephan Janßen
E-Mail: » WebDesignAsel
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