Aktualisiert am 01.05.2010
Nachrichten über die Lehrer zu Uttel
Aus der Schulchronik von 1887 bis 1966
Mit den Nachrichten über die Lehrer in Uttel beenden wir unsere Serie über die Utteler Schule. Es gäbe sicher noch mehr zu berichten, aber ich denke, das Wichtigste wurde veröffentlicht. Jetzt gilt es, den „Abdruckstau“ aufzulösen, der durch den umfangreichen „Schulreport“ entstanden ist. Alle eingesandten Artikel werden jetzt nach und nach abgearbeitet, ich bitte um ein wenig Geduld.
Wilfried Janßen
Was jetzt folgt, ist eine Aufstellung der Utteler Schullehrer, die rückwirkend von Lehrer Edzard Hermann Willmsen begonnen und von den nachfolgenden Lehrern fortgeführt wurde.
Hilbert Wilhelm Schuster. Nach einer alten Notiz soll in Uttel ein Lehrer dieses Namens gewesen sein. Über Anstellung und Versetzung ist aber nichts bekannt. Weil 1777 die vorletzte (und wohl zugleich die erste) Schule in Uttel gebaut worden und der hiernach genannte Lehrer Schüßler erst 1795 hier angestellt wurde, so kann Schuster in den dazwischen liegenden 18 Jahren hier angestellt gewesen sein. Weil indessen die ältesten Utteler von einem Lehrer Schuster hierselbst nie etwas gehört haben wollen, so dürfte dies der entstellte Name des demnächst genannten Lehrers sein.
Mit demselben werde ich nun die Reihe der Lehrer hierselbst beginnen.
1. Hillert Wilhelm Schüßler. Derselbe wurde am 23. April 1795 von Berdumer-Mitteldeich nach Uttel berufen. Er wurde von hier nach Eggelingen versetzt.
2. Gerd Brouwer. Derselbe wurde von Toquard nach Uttel versetzt. Über seinen Abgang habe ich von einer Urkunde folgendes abgeschrieben: „Das Konsistorium zu Aurich urkundet hierdurch, dass es den Gerd Brouwer, zeitiger Schullehrer in der Neben-Schule zu Uttel bey Wittmund, zum Schullehrer, Organisten und Küster zu Ochtersum bestellet und angenommen habe,“ usw. usw. Urkundlich das Consistorii gewöhnlicher Unterschrift gegeben zu Aurich den 3. September 1812.
3. Weet Dirk Müller, geboren zu Norden i. J. 1791, zum Lehrerfach vorgebildet durch den Lehrer Claas Ayts Peters von Neuencruge daselbst, trat 1809 seine erste Stelle an zu Plaggenburg und wurde von dort i. J. 1813 vom Hochw. Kons. Nach Uttel berufen. Er wurde am 16. Juni 1825 wieder von hier nach Wittmund an die Gasthausschule und später von dort als Lehrer, Organist und Küster nach Ochtersum versetzt.
4. Harm Frerichs Mammen wurde am 7. Juli 1828 nach Uttel berufen. Er wurde 1842 von hier nach Westerbur versetzt dort mit dem Lehrer-, Organisten- und Küsterdienste betraut.
5. Heinrich Caspar Tammen. Über dessen Anstellung sagt eine Urkunde: „Nachdem der Nebenschullehrerdienst zu Uttel durch Versetzung des bisherigen dortigen Schullehrers H. Fr. Mammen erledigt worden ist, so haben wir diesen Dienst dem bisherigen Neben-Schullehrer zu Berdumer Alten Mitteldeich, Heinrich Caspar Tammen, wiederum verliehen.“ Aurich, den 22. Sept. 1842. Königl. Kons. Brandis. Es war Tammen in Uttel vom 22. Sept. 1842 bis 1861.
6. Menne Heyo Aden, der nun folgte, bemerkte im Monatsbuch: „Von Ostern bis Pfingsten 1861 ist hier (in Uttel) durch die Versetzung des bisherigen Lehrers Tammen als Cantor nach Esens Vacanz gewesen. Als dessen Nachfolger ist zu dieser Stelle ernannt (am 2. Mai) und am 26. Mai in der Kirche zu Wittmund eingeführt worden der bisherige Hülfslehrer zu Ochtersum, M. H. Aden. Dieser hat über sich folgende Angaben an den Superintendenten gemacht. Er habe als Hülfslehrer fungiert: ½ Jahr in Horsten, 4 Jahre auf Carolinensiel, 2 ½ Jahre in Aurich und 11 Jahre in Ochtersum, zusammen 18 Jahre, und zwar an den beiden letzten Stellen mit Bestätigung Königl. Kons. Und unter Zusicherung, dass ihm diese 13 ½ Jahre als förmliche Dienstjahre sollten angerechnet werden. Seine Ausbildung habe so angefangen: in Ochtersum durch Lehrer Müller und Pastor Gossel, in Horsten durch Lehrer Hartmann, auf Carolinensiel durch Lehrer Müller und die Kandidaten Gittermann, Doden und Renken, zu Aurich durch Konrektor Hölscher, Oberlehrer Hachmeister und Musikdirektor Engel. Von der Prüfungs-Kommission zu Aurich wurde er geprüft am 13. und 14. Oktober 1853. Er war geboren dem 17. Juni 1861.“ (kann sich nur um einen Schreibfehler handeln. Die Red.) Als er am 20. Sept. 1861 dieses mitgeteilt, hatte er vier Kinder von 10, 8, 6 und 4 Jahren. Aden ist etwa am 8. Mai 1870 nach Dunum gezogen, um dort als Nachfolger des dort etwa 37 Jahre diensttätigen W. G. Willmsen den Lehrer-, Organisten- und Küsterdienst anzutreten.
7. Wilhelm Classen Groeneveld, geboren den 18. Januar 1839 zu Emden, Sohn des Hinrik aus Groeneveld daselbst. Ausbildung an der Schule zu Emden, nicht am Seminar. Angestellt 1855 zu Damsum ohne Bestallung, Mai 1862 zu Lüttstede (Neuschoo). Eingeführt am 1. Mai 1870 zu Uttel. Familie: Frau nebst 4 Kindern. So weit die Notiz von Sup. Haffner. Bemerkung von Groeneveld: „In Folge der Versetzung des früheren Lehrers Aden nach Dunum war hier (in Uttel) eine dreiwöchige Vacanz. Der Unterricht brauchte jedoch, da die Osterferien voran gingen, nur acht Tage ausfallen. Am 20. April 1870 zum Lehrer der hiesigen Schuljugend durch Königl. Konsistorium zu Aurich ernannt, hat die Schule am 2. Mai wieder ihren Anfang genommen.“
8. Edzard Hermann Willmsen, bisheriger Lehrer zu Negenbargen, wurde am 28. Dezember 1874 zum Lehrer in Uttel ernannt, am 20. Januar 1875 für sein neues Amt pflichtbar gemacht, am 24. d. M. öffentlich in der Kirche zu Wittmund eingeführt, so schrieb Sup. Haffner. Im Monatsbuch wurde vom Lehrer folgendes bemerkt: Durch die am 25. Oktober 1874 erfolgte Versetzung des Lehrers Groeneveld nach Fulkum wurde die Schulstelle zu Uttel vacant. E. H. Willmsen ist geboren am 21. Februar 1829 zu Willen. Er war vom 1. April 1845 bis Martini 1846 Hülfslehrer bei Bruns in Leerhafe, wurde im November Lehrer zu Zwischenbergen, wo er am 4. Januar 1847 eingeführt wurde. Er wurde auf sein Ansuchen am 6. Mai 1852 daselbst vom Königl. Kons. wieder entlassen, verwaltete von da an den Lehrer-, Organisten- und Küsterdienst in Holtland, jedoch, weil Lehrer Schöne starb, nur bis Ende des Jahres, war dann das Jahr 1853 erster Hülfslehrer der Präzeptorschule in Leer. Am 9. Januar 1854 wurde er wieder endgültig im öffentlichen Schuldienste angestellt und blieb von da an ohne Unterbrechung darin, und zwar zu Lüdtstede, Altharlingersiel, Negenbargen und Uttel. Die Daten dieser vier Bestallungen sind: der 22. Dezember 1853, der 6. März 1862, der 10. August 1865 und der 28. Dezember 1874.
Lehrerin für den Unterricht in weiblichen Handarbeiten war seit Januar 1875 Lehrer Willmsens Frau, dann dessen Tochter Beate Friederike, und dann, weil diese eine andere Stelle auswärts annahm, wiederum dessen Frau (die nun eine jüngere Tochter zu Hülfe nahm). Die Schulkasse hat für diese Leistung jährlich 52 Mark zu zahlen. Seit 1. Mai 1893 erteilt die Schwester des Lehrers, Meta Reents, den Handarbeitsunterricht, auf Aufforderung der Regierung nahm dieselbe teil am Handarbeitskursus in Emden (Dauer 7 Wochen). Bis 1. Okt. 1894 ist sie geprüfte Handarbeitslehrerin in Uttel angestellt. Seit 1. Mai 1896 Frau des Lehrers Reents.
9. Reinhard Reents, bis 1. Mai 1893 Lahrer in Neu-Ekels b. Georgsheil, folgte dem mit dem 1. April 1893 in den Ruhestand getretenen Willmsen. Es ist dies der erste seminarisch gebildete Inhaber dieser Stelle. Er absolvierte das Auricher Seminar 1883-1886.
Am 22. März 1907 verstarb der Lehrer i. R. Edzard Hermann Willmsen in Wittmund, wohin er nach seiner Pensionierung am 1. April 1893 seinen Wohnsitz verlegt hatte.
Als Nachfolger wurde der Lehrer Reinhard Reent Hajen Reents, am 17.3.1864 Utwerdum b. Georgsheil, nach Uttel berufen. Nachdem er 31 Jahre in hiesiger Gemeinde gewirkt, trat er am 1. Oktober 1924 in den Ruhestand. Vor seiner Amtstätigkeit in Uttel war Reents in Werdum, Riepe, Willen, Utarp und Neu-Ekels als Lehrer angestellt.
Aus Anlass seiner Emeritierung hatte der Schulvorstand am Dienstagnachmittag eine Abschiedsfeier in der Schule veranstaltet, an welcher neben den Kindern auch zahlreiche Eltern, der Schulvorstand und die Gemeindevertretung teilnahmen.
Gemeinde und Schulkinder überreichten als Ehrengeschenk zwei schön geschmückte Sessel. Ein zwangloses Beisammensein in der Wohnung des Lehrers beschloss dann die schöne Feier.
10. Hermann August Lebrecht Zeuske wurde am 24. November 1892 zu Tannhofen, Kr. Hohensalza, geboren. Er besuchte bis zu seinem 14. Lebensjahr die Volksschule, absolvierte dann die Städt. Knabenmittelschule zu Hohensalza bis zur 2. Klasse und wurde auf der Präparandia zu Schönlanke, Bez. Bromberg (1908-1911) und auf dem Seminar zu Bromberg (1911-1914) zum Lehrer ausgebildet. Am 12. Oktober 1914 erhielt er auftragsweise die Vertretung des zum Heeresdienst einberufenen Lehrers an der II. Volksschule in Helldorf, Kr. Kolmar.
Am 1. April 1915 wurde er auch zum Kriegsdienst eingezogen; nach ¾ Jahr aber auf Reklamation entlassen. Er übernahm wieder den Dienst an derselben Schule, die nun 2-klassig geworden war und wurde hierselbst als 2. Lehrer am 1. Januar 1916 einstweilig angestellt. Nach 1 ½ Jahren wurde er wieder einberufen und machte den Feldzug bis zum Schluss des Krieges mit. Zurück zur Schulstelle Helldorf erhielt er am 1. Mai 1919 die 2. Lehrerstelle, mit welcher zugleich das Organisten- und Kantorsamt verbunden war, an der 4-klassigen Volksschule zu Zackenberg, Kr. Kolmar i. Pos. Nach 14-monatiger Amtstätigkeit hierselbst, wurde er, da der Netztedistrikt und der größte Teil der Prov. Posen polnisch geworden war, des Landes verwiesen, erhielt aber nach kurzer Wartezeit von der Fürsorgestelle Berlin am 1. Oktober 1920 eine Lehrerstelle an der Volksschule Wittmund. Hierselbst legte er auch, am 16. Dezember 1921, seine 2. Lehrerprüfung ab. Infolge Abbaus einer Lehrerstelle an der Volksschule hierselbst wurde ihm die am 1. Oktober 1924 durch den Abbau des Lehrers Reents in Uttel frei gewordene alleinige Lehrerstelle in Uttel übertragen und endgültig angestellt.
Am 1. Weihnachtstag des Jahres 1927 nachm. 4 ½ Uhr verschied nach kurzer Krankheit Lehrer i. R. Reinhard Reents im 64. Lebensjahre. Die Beerdigung fand am Freitag, dem 30. Dezember, nachm. ½ 3 Uhr auf dem Friedhof in Wittmund statt.
11. Heinrich Popken wurde am 9. März 1906 in Asel bei Wittmund geboren. Nach Besuch der Volksschule in Asel absolvierte er die Präparanda und das Seminar in Aurich von 1920-1926. Am 18. und 19. Februar 1926 legte er seine 1. Lehrerprüfung ab. Nach 7jähriger Stellungslosigkeit erhielt er endlich im Mai 1933 in Westerholt sein erste Anstellung. Im März 1934 bestand er in Rechtsupweg, wohin er versetzt worden war, seine 2. Lehrerprüfung. Im Oktober 1939 wurde er zum Kriegsdienst einberufen und war Soldat bei der Luftwaffe. Bei der Kapitulation am 8. Mai 1945 geriet er in Österreich in amerikanische Gefangenschaft, aus der er im September 1945 entlassen wurde. Am 1. Februar 1946 wurde er in Marx endgültig angestellt. Hier verblieb er bis zum 30. September 1949. Als hierselbst in Uttel die 2. Lehrerstelle eingerichtet wurde, wurde er auf seinem Antrag in diese am 1.10.1949 berufen. Diese verwaltete er jedoch nur 3 ½ Jahre. Infolge sinkender Kinderzahl (1953 sind es nur noch 56 Kinder, 1954 werden nur noch 45 Kinder die Schule besuchen) und Lehrermangels würde die 2. Lehrerstelle nicht mehr zu erhalten sein. Über kurz oder lang würde Koll. Popken zu einer anderen Schule versetzt werden. Um nun nicht so weit von seiner Heimat und seiner Wohnung (die er in Asel besitzt) entfernt zu sein, stellte er den Antrag auf Versetzung an die mehrklassige Volksschule in Wittmund, an welcher zum 1. April 1953 eine Planstelle frei wurde. Seinem Antrage wurde von der Regierung stattgegeben; er wurde mit Wirkung vom 1. April 1953 an die Volksschule in Wittmund versetzt.
Die hiesige 2. Lehrerstelle wird jedoch nicht aufgehoben, sondern ruht nur.
12. Georg Möller. Durch die Regierung in Aurich wurde ich zum 1. November 1954 vertretungsweise und ab 1. Dezember 1954 endgültig mit der Leitung der einklassigen Schule in Uttel betraut. Auf meine Bewerbung um die ausgeschriebene Stelle hatten mich die Gemeindevertretung und der Schulausschuss in einer gemeinsamen Sitzung gewählt. Ich bin am 11. Januar 1915 in Hoheweide, Kr. Eschwege (Hessen), geboren. Meine Ausbildung erfolgte von 1935-1937 an der Hochschule für Lehrerbildung in Weilburg an der Lahn. Durch das Preuß. Kultusministerium wurden die meisten jungen Lehrer meines Jahrgangs in Gebiete mit Lehrermangel versetzt. So kam ich in das mir fremde Ostfriesland, zuerst in die abgelegene Moorstelle Marcarsdsmoor II. Im Herbst 1937 wurde ich zum Wehrdienst eingezogen und blieb Soldat bis zu meiner Entlassung aus der Gefangenschaft im Juni 1945. Während eines Studienurlaubs legte ich im Februar 1942 in Carolinensiel meine 2. Prüfung ab. Am 1. Mai 1947 wurde ich nach erfolgter Entnazifizierung wieder in den Schuldienst eingestellt. Für 4 Monate war ich 2. Lehrer in Werdum. Mit dem 1. Oktober 1947 übernahm ich die einklassige Schule auf dem Berdumer Alten Mitteldeich. Um meinen Kindern die Möglichkeit des Besuchs einer höheren Schule zu geben, verließ ich die mir liebgewordene Stelle auf dem Deich. Ich bin somit 3. Lehrer, der von dort nach Uttel übersiedelte.
Auf Grund meiner Bewerbung versetzte mich die Regierung in Aurich an die einklassige Schule der Gemeinde Nienhagen, Kr. Minden. Persönliche Gründe – Möglichkeit der Behandlung eines auf lange Zeit kranken Kindes – waren für die Bewerbung maßgebend. Ich scheide ungern von Uttel. Am 26. März wurde ich durch den Bürgermeister der Gemeinde – Herrn Warner Brauer – in Anwesenheit des Gemeinderates verabschiedet.
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Stephan Janßen
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