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Aktualisiert am 01.08.2009

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Asel ist seit Jahren kein Schulort mehr Lehrer Popken ging 1970 in den Ruhestand
Urkunden dokumentieren die Geschichte des Dorfes und seiner Menschen
Vom 28.12.1985

Es ist manchmal überraschend, welch eine wechselvolle Geschichte die ostfriesischen Dörfer im Laufe der Jahrhunderte erfahren haben. Das trifft besonders für das kleine Dorf Asel zwischen Jever und Wittmund zu, wo auch heute nur einige hundert Menschen leben. Abgesehen von der Landwirtschaft wird im Dorfe nur „gewohnt“ – ihre Arbeitsstätten finden die Aseler in den Nachbarorten.
Die ersten schriftlichen Nachrichten über den Ort fließen bereits aus dem 13., 14. und 15. Jahrhundert. So geht aus einem kirchlichen Güterverzeichnis des späten 13. Jahrhunderts hervor, daß die Kapelle zu „Asel“ damals dem Bremer Domdekan unterstand. Weiter begegnet uns Asel in einer Urkunde des Erzbischofs Burchard von Bremen aus dem Jahre 1343, wo „Hinrieus de Snachusen in Asel“ als Zeuge genannt wird.
Das sog. Stader Copiar aus dem Jahre 1420 enthält die Nachricht, daß die Kirche in „Aszele“ der Wittmunder Sendkirche zugeordnet und dem Bremer Domscholaster mit jährlich 4 Groschen zinspflichtig war. Am 28. August 1473 bekundete Sibo von Dornum, Häuptling von Esens, Stedesdorf und Wittmund, daß der junge Fredemer von Dornum an Cord Asmer und dessen Erben Diemat Land zu „Asle“ für 69 Arensgulden verkauft und das Geld vollständig erhalten habe. Aus dem noch erhaltenen Testament des Häuptling Hicko Boings von Werdum vom 1. Oktober 1491 geht hervor, daß Hicko auch die Kirche in Asel bedachte.
Bedingt durch die Nähe zu Wittmund verfügte die dortige Häuptlingsfamilie Kankena über umfangreiche Ländereien in Asel. Es ist jedoch davon auszugehen, daß Asel in frühester Zeit nicht zum Harlingerland, sondern vielmehr zu Östringen gehörte. Einmal ist urkundlich überliefert, daß die Kapelle dem Bremer Domdekan unterstand wie auch die Kirchen in Leerhafe und Reepsholt. Zum anderen überzeugen auch die geographischen Verhältnisse davon, daß man Asel zu Östringen rechnete, denn zwischen Asel und Wittmund lag die früher breite Flutrinne des Wittmunder Tiefes, ein nicht zu unterschätzendes Verkehrshindernis.
Für die Zeit ab 1400 ist eine engere Verbindung Asels zu Wittmund anzunehmen. Die kirchliche Zugehörigkeit änderte sich: 1420 gehörte Asel zum Bezirk der Wittmunder Sendkirche und unterstand damit dem Domscholaster wie die anderen Kirchen des Harlingerlandes.

Die auf einer von Menschenhand aufgeschütteten Warf gelegene Aseler Gemeindekirche stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das rechteckige Bauwerk ist etwa 22 m lang, 11 m breit und an den Längsmauern ca. 6,50 m hoch. Ursprünglich war das Mauerwerk noch um 1,50 m höher. Die Aseler Kirche ist eine der wenigen noch erhaltenen Granitquaderkirchen in Ostfriesland. Lediglich die Fensterbögen und die oberen Mauerabschlüsse sind im Laufe der Zeit mit Backsteinen erneuert worden.

Das Granitmauerwerk der Kirche ist rund 1,30 m stark. An der Ostseite des Schiffes war ursprünglich eine Apsis angefügt. Die nördliche und südliche Langwand enthalten je drei rundbogige Fenster, und in der nach Abbruch der Apsis im Jahre 1829 erneuerten Ostwand sind zwei Fenster angelegt.
Auf der Kirchwarf steht etwa 4 m südlich der Kirche ein Glockenturm, der im Jahre 1661 zum großen Teil aus Backsteinen seines Vorgängerbaues errichtet wurde. Der etwa 6,50 m hohe Turm ist mit großen Schallöffnungen versehen und wird von dem in unserer Gegend vielfach üblichen lutherischen Schwan geziert.

Asel ist wegen seiner geringen Einwohnerzahl seit Jahren kein Schulort mehr, die Kinder besuchen Schulen in Wittmund. Dennoch hat das Schulwesen Asels eine mehrhundertjährige Geschichte. Wann im Dorfe mit dem Unterricht begonnen wurde, ist unbekannt. Es kann – wenn man einen Vergleich zur Schulentwicklung in anderen Orten zieht – jedoch angenommen werden, daß man spätestens Mitte des 17. Jahrhunderts, also nach dem Dreißigjährigen Krieg, mit einem regelmäßigen Schulbetrieb begonnen hat.
Die Urkunden über die Aseler Schule reichen bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück. Erster bekannter Lahrer ist Meiner Otten. Nachrichten über ihn enthält ein Brief des Predigers Friedrich Wilhelm von der Mark an den ostfriesischen Landesfürsten Georg Albrecht vom 7. Juni 1714.
In diesem Schreiben ist festgehalten, „…daß, da ehegestern eine Scheuer zu Asel errichtet worden, der Küster daselbst, Meinert Otten, als ein Zimmermann seines Handwerks, bei Errichtung derselben mit Hand angelegt und dabei herunter zur Erde gefallen, und weil er auf den Kopf gefallen, sofort totgeblieben ist…“. Weil sein Lehrergehalt nur 40 Rthlr. Im Jahr betrug, musste Otten wohl im Nebenberuf als Zimmermann arbeiten.
Als weiterer Aseler Schulmeister aus dem 18. Jahrhundert ist Nicolaus Arnold Flato bekannt, der am 15. Dezember 1755 bestallt wurde, und zwar als Nachfolger von Rudolf Meinders. Flato war vorher Lehrer in Nordwerdum. Seine Bestallungsurkunde ist erhalten geblieben und hat folgenden Wortlaut:
„Wir, Friedrich, König in Preußen, beurkunden und bekennen hiermit, daß wir auf Abgang des bisherigen Schulmeisters und Küsters Rudolf Meinders zu Asel in Unserm Amte Wittmund dem bisherigen Nebenschulmeister zu Nordwerdum, Nicolaus Arnold Hinrich Flato hinwiederum zum Schulmeister und Küster daselbst berufen, bestallet und angenommen haben.
Dergestalt und also, daß er uns getreu, hold, gehorsam und gegenwärtig sein, sich der ihm anvertrauten Jugend äußersten Fleißes annehmen, dieselbe in rechter Erkenntnis Gottes und der Furcht des Herrn nach Inhalt göttlichen Worts und anderer daraus entlehnter Schriften und Catechismusbücher, der unveränderten Augsburgischen Confession gemäß, unterweisen soll.
Auch in guten Künsten, Rechnen und Schreiben nach seinem besten Vermögen und Gelegenheit des Orts auf die bequemste Art und Weise informieren und üben, sodann, was ihm als Küster oblieget, treulich und fleißig verrichten und überhaupt bei solchem seinem Dienst, seinen untergebenen Discipeln sowohl als auch sonsten jedermänniglich allenthalben mit einem christlich ehrbaren Leben und Wandel vorleuchten und allewege sich verhalten soll, wie er es gegen uns, seine hohe Landesobrigkeit, und vor allen Dingen dort an jedem großen Tage vor dem gestrengen Richterstuhl Jesu Christi zu verantworten getraut.
Wofür er für solche, seine getreuen Dienste auch zugewiesen haben soll, was seine Vorgänger als Schulmeister und Küster zur Billigkeit genossen haben und darin auf keine Weise betrübt werden. Urkundlich haben wir diese Bestallung mit unserem Ostfriesländischen Regierungssiegel befestigen lassen.“

Einkünfte waren recht dürftig
Die Einkünfte der Aseler Schulstelle waren auch nach damaligen Verhältnissen recht dürftig. Die Landdotation bestand nur aus wenigen Diemat, die Michaelisgefälle beliefen sich auf 4 Reichstaler. Die Hausleute gaben 3 Schaf Schulgeld und Warfsleute 3 Stüber. Zusammengerechnet ließ sich so ein jährliches Einkommen von etwa 40 Rthlr. erzielen.
Flato verließ 1763 Asel, sein Nachfolger wurde Jürgen von Hartz aus Marx, der allerdings schon 1772 verstarb. Anschließend kam bis 1777 Joost Gerdes aus Fulkum nach Asel. Von 1777-1779 wirkte der frühere Lehrer Flato wieder im Orte, ihm folgte bis 1785 Hinrich Wilhelm Joosten. Von 1785 bis 1798 war Jakob Johann Petersen aus Schweindorf Aseler Lehrer.
1798 errichtete man an der Nordseite des Kirchhofes ein neues Küstereigebäude, das aus einer geräumigen Schulstube, Küche, Wohnstube, Speisekammer und Scheune bestand. Backofen und Brunnen waren nicht vorhanden. Petersens Nachfolger wurde 1799-1850 Gerd Janssen Meyer. Ihm folgte für kurze Zeit (1805/06) Lehrer Dettmers.
Popke Tammen aus Norderney wurde dessen Nachfolger, der 32 Jahre lang die Kinder unterrichtete und 1838 starb. Während seiner Amtszeit gehörten zum Mobiliar der Schulstube übrigens ein Ofen, drei lange Tische, ein kleiner Tisch auf dem Soller, zehn Bänke und drei schwarze Tafeln. An Büchern waren zwei Bibeln, „Die Landschule“, „Bredwos kleine Geschichte“, „Engelmanns Geographie“ und drei Tabellen von Bredow vorhanden. Ferner verfügte man über fünf Landkarten. Nachfolger Tammens waren u. a. die Lehrer Ernst, Hartmann, Popken, Dasenbrook und Müller.

An Schulgeld erhielt der Aseler Lehrer 1859 jährlich um Michaelis von 16 Plätzen jeweils 6 Stüber, 28 Groschen und 8 Pfennige und von dem Hofe Hinrich Cassens in Hornum 12 Stüber, 5 Groschen und 4 Pfennige. Die Besitzer der 48 Warfstellen zahlten je 1 Groschen und 4 Pfennige.

Im Jahre 1888 besuchten 60 Kinder die Aseler Schule, 1961 waren es noch 31, 1965 nur noch 24. Letzter Aseler Lehrer war Heinrich Popken, der bis 1970 amtierte. Mit seiner Versetzung in den Ruhestand wurde der Schulbetrieb aufgelöst und die Baulichkeiten in das kirchliche Jugend- und Freizeitheim einbezogen.

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Stephan Janßen
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